
Kombinierte Hormontherapien: Was in Entwicklung ist
Verfügbar sind heute 10 bis 15 Prozent unter GLP-1 und 20 bis 22 Prozent dual. Was Forschungsstand ist und warum Warten Behandlungszeit kostet.
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Alle paar Monate geht eine Schlagzeile durch die Feeds: ein neues Molekül, drei Rezeptoren gleichzeitig, noch mehr Gewichtsverlust. Und in der Sprechstunde sitzt jemand, der überlegt, ob er lieber wartet. Diese Überlegung kostet in aller Regel Zeit, die niemand zurückbekommt. Zwischen einer guten Studie und einer Packung, die in einer Schweizer Apotheke abgegeben werden darf, liegen zwei Zulassungsschritte und mehrere Jahre.
Kurz beantwortet: Kombinierte Hormontherapien setzen an mehreren Rezeptoren gleichzeitig an, statt nur am GLP-1-Rezeptor. Zugelassen und in der Schweiz verfügbar sind heute der GLP-1-Agonist mit einem Gewichtsverlust von 10 bis 15 Prozent, teilweise bis 20 Prozent, und der duale GIP/GLP-1-Agonist mit 20 bis 22 Prozent. Alles Weitere ist Forschungsstand. Substanzen ohne Schweizer Zulassung dürfen nicht verschrieben und nicht eingeführt werden, unabhängig davon, wie überzeugend eine Studie aussieht. Wer heute die Kriterien erfüllt, verliert durch Warten Monate an Behandlungszeit.
Was mit kombinierten Hormontherapien gemeint ist
Der Darm und die Bauchspeicheldrüse geben nach dem Essen eine ganze Reihe von Signalstoffen ab. Jeder dieser Stoffe hat eine eigene Rolle bei Appetit, Insulinwirkung und Energieverbrauch. Die Idee hinter kombinierten Ansätzen ist einfach: mehrere dieser Wege gleichzeitig ansprechen, statt nur einen.
| Angriffspunkt | Was er im Körper tut | Stand heute |
|---|---|---|
| GLP-1-Rezeptor | aktiviert das Sättigungszentrum im Hypothalamus, verlangsamt die Magenentleerung, verbessert die Insulinwirkung | zugelassen und verfügbar |
| GIP-Rezeptor | verstärkt die Insulinsekretion und die Wirkung auf das Fettgewebe | in Kombination mit GLP-1 zugelassen und verfügbar |
| Rezeptor für Glukagon | erhöht den Energieverbrauch und beeinflusst den Leberstoffwechsel | Forschungsstand |
| Signalweg von Amylin | verlängert das Sättigungsgefühl nach der Mahlzeit | Forschungsstand |
Die Zahlen, die dabei zählen, sind bereits belegt und stammen nicht aus der Zukunft. In der STEP-1-Studie mit 1961 Teilnehmenden, publiziert im NEJM 2021, lag der Gewichtsverlust unter Semaglutid 2.4 mg nach 68 Wochen bei 14.9 Prozent gegenüber 2.4 Prozent unter Placebo. In der SURMOUNT-1-Studie mit 2539 Teilnehmenden, publiziert im NEJM 2022, waren es unter Tirzepatid 15 mg nach 72 Wochen 20.9 Prozent.
Warum mehr Rezeptoren nicht automatisch besser heisst
Jeder zusätzliche Angriffspunkt bringt zusätzliche Wirkungen mit, erwünschte und unerwünschte. Ein Wirkstoff, der den Energieverbrauch erhöht, beeinflusst auch Herzfrequenz und Blutdruck. Ein Wirkstoff, der stärker auf die Magenentleerung wirkt, erzeugt tendenziell mehr Übelkeit.
Dazu kommt eine Beobachtung, die in der Arzneimittelentwicklung nicht neu ist: Gute Daten aus einer frühen Phase sagen wenig über das Ergebnis am Schluss. Ein Wirkstoff kann in einer kleinen Studie überzeugen und in der grossen Studie an der Verträglichkeit oder an der Wirksamkeit scheitern.
Und ein praktisches Argument gegen das Warten: Der reine GLP-1-Agonist hat die stärkeren Daten zum Herzschutz. In der SELECT-Studie mit 17 604 Teilnehmenden, publiziert im NEJM 2023, sank das Risiko schwerer kardiovaskulärer Ereignisse mit einer Hazard Ratio von 0.80, das Konfidenzintervall von 95 Prozent lag bei 0.72 bis 0.90. Der stärkere Gewichtsverlust liegt beim dualen Wirkstoff, die längere Datenlage zum Herzen beim GLP-1-Agonisten. Was für dich passt, entscheidest du mit der Ärztin oder dem Arzt, nicht anhand einer Schlagzeile.
Vom Studienergebnis zur Behandlung: der Weg in der Schweiz
Zwischen einer publizierten Studie und einer Therapie, die deine Kasse übernimmt, liegen zwei getrennte Schritte, die oft verwechselt werden.
- Zulassung durch Swissmedic. Geprüft werden Wirksamkeit, Sicherheit und Qualität. Erst danach darf ein Präparat in der Schweiz überhaupt in Verkehr gebracht werden.
- Aufnahme in die Spezialitätenliste des Bundesamts für Gesundheit. Erst damit entsteht eine Vergütung durch die Grundversicherung, und zwar innerhalb einer festgelegten Limitation.
Eine Zulassung im Ausland verkürzt diesen Weg nicht. Auch eine Aufnahme in eine ausländische Erstattungsliste hat für die Schweiz keine Bedeutung. Solange beide Schritte nicht abgeschlossen sind, gilt: Der Wirkstoff ist in der Schweiz nicht zugelassen und kann nicht verschrieben werden. Denselben Weg durchläuft die orale Darreichungsform, deren Stand der Beitrag Schluss mit der Spritzenangst: Die GLP-1 Pille kommt beschreibt.
Warum der Graumarkt die falsche Abkürzung ist
Wo Erwartung auf Wartezeit trifft, entsteht ein Markt. Angeboten werden Pulver zum Selbstanmischen, als Forschungsmaterial deklarierte Substanzen und Fertigspritzen aus unklaren Quellen.
Was daran problematisch ist, lässt sich nüchtern benennen. Gehalt und Reinheit sind nicht überprüfbar, die Dosierung damit ebenfalls nicht. Die Kühlkette ist unklar. Bei einer unerwünschten Wirkung gibt es keine ärztliche Stelle, die den Verlauf kennt. Und die Einfuhr solcher Präparate ist nicht zulässig. Swissmedic warnt auf seiner Website vor dem Bezug von Arzneimitteln aus nicht zugelassenen Quellen.
Der sichere Weg ist unspektakulär: ärztliches Rezept, Bezug über eine zugelassene Schweizer Apotheke, gekühlter Versand, Originalverpackung. Wer bereits etwas aus unsicherer Quelle verwendet hat, bespricht das offen mit der behandelnden Praxis. Das ist keine Anklage, sondern eine Voraussetzung für eine sichere Weiterbehandlung.
Was heute gesichert verfügbar ist
Der Blick nach vorn lohnt sich nur, wenn der Blick auf die Gegenwart stimmt. Diese Wirkungen sind über die Studienlage hinweg belegt:
- Gewichtsverlust 10 bis 15 Prozent unter dem GLP-1-Agonisten, teilweise bis 20 Prozent, 20 bis 22 Prozent unter dem dualen Wirkstoff
- rund 80 Prozent des Verlusts sind Fettmasse, viszerales Fett wird bevorzugt reduziert
- systolischer Blutdruck minus 3 bis 5 mmHg, Triglyzeride minus 10 bis 20 Prozent, CRP als Entzündungsmarker minus 20 bis 30 Prozent
- Leberfett minus 30 bis 50 Prozent, ALT und AST minus 40 bis 50 Prozent
- keine Verstoffwechselung über CYP450, deshalb sichere Kombination mit den meisten anderen Medikamenten, was bei Polymedikation zählt
Die Weltgesundheitsorganisation hat diese Wirkstoffe im Dezember 2025 in die Liste der unentbehrlichen Arzneimittel aufgenommen. Über 100 000 Personen wurden in klinischen Studien untersucht. Das ist eine solide Grundlage, kein Provisorium, auf das ein besseres folgt.
Was das Warten tatsächlich kostet
Ein Rechenbeispiel: Bei 1.74 Metern und 106 Kilogramm ergibt sich ein BMI von rund 35. Damit sind die Kriterien der Grundversicherung auch ohne Begleiterkrankung erfüllt. Wer zwei Jahre wartet, verliert nicht nur zwei Jahre möglicher Gewichtsreduktion, sondern auch zwei Jahre, in denen Blutdruck, Blutzucker und Leberwerte unbehandelt bleiben. Den eigenen Wert findest du mit dem BMI-Rechner, für einen Antrag zählen nur in der Praxis gemessene und datierte Werte.
Wirksam ist in dieser Zeit nicht die nächste Schlagzeile, sondern das, was sich sofort umsetzen lässt. Wie viel winzige Schritte im Alltag tatsächlich bewegen, ist ein eigener Beitrag wert.
Für die Vergütung gilt die Limitation: BMI ab 35, oder BMI 28 bis 34.9 mit Prädiabetes, Typ-2-Diabetes, arterieller Hypertonie oder einer Fettstoffwechselstörung. Andere gewichtsbedingte Erkrankungen wie eine obstruktive Schlafapnoe oder Gelenkbeschwerden sind medizinisch wichtig und werden mitbehandelt, sie erfüllen die Limitation für die Kostenübernahme aber nicht. Eine erfolgte oder geplante bariatrische Operation schliesst die Vergütung vollständig aus. Die Kostengutsprache muss vor Therapiestart vorliegen.
Auch mit Kostengutsprache bleiben Franchise und Selbstbehalt: maximal 1000 CHF Eigenleistung pro Jahr bei der ordentlichen Franchise von 300 CHF, bis zu 3200 CHF bei einer Wahlfranchise von 2500 CHF. Ohne Kostengutsprache bleibt der Selbstzahlerweg. Das digitale Programm Holistic Reset kostet 299 CHF pro Monat mit dem GLP-1-Agonisten und 499 CHF mit dem dualen Wirkstoff, unabhängig von der Dosisstufe, ohne Mindestlaufzeit. Wie sich das gegen andere Angebote stellt, zeigt der Vergleich der Schweizer Anbieter für medizinisch begleitetes Abnehmen.
Drei Fragen, die dazu regelmässig kommen
Ist der duale Wirkstoff automatisch besser?
Er führt im Mittel zu einem grösseren Gewichtsverlust. Der reine GLP-1-Agonist hat die stärkeren Herzdaten. Beides gehört in die Entscheidung, zusammen mit Verträglichkeit, Vorerkrankungen und Kosten.
Ist das sicher?
Die Sicherheitsdaten sind gut. Häufig sind vorübergehende Magen-Darm-Beschwerden: Übelkeit bei 40 bis 50 Prozent, Durchfall bei 20 bis 30 Prozent, Verstopfung bei 15 bis 25 Prozent, wobei 99.5 Prozent nicht schwerwiegend sind. Ernst zu nehmen sind anhaltende oder starke Bauchschmerzen wegen des Verdachts auf eine Pankreatitis, unstillbares Erbrechen, Blut im Stuhl und Zeichen von Flüssigkeitsmangel. Kontraindiziert sind diese Wirkstoffe bei medullärem Schilddrüsenkarzinom in der Vorgeschichte, bei MEN Typ 2 sowie in Schwangerschaft und Stillzeit.
Kann ich an einer Studie teilnehmen?
Studien haben enge Ein- und Ausschlusskriterien, oft zum Alter, zum BMI, zu Vorerkrankungen und zu Vortherapien. Eine Teilnahme bedeutet ausserdem, dass du möglicherweise Placebo erhältst. Das ist für manche eine Option und für viele nicht der passende Weg, wenn eine zugelassene Behandlung verfügbar ist. Wer sich interessiert, bespricht das mit der behandelnden Praxis, statt sich auf Angebote im Netz zu verlassen.
Wie du eine Schlagzeile selbst einordnest
Vier Fragen genügen, um eine Meldung in wenigen Minuten zu bewerten.
- Um welche Studienphase geht es? Frühe Phasen prüfen vor allem Verträglichkeit an wenigen Personen. Erst die grossen Studien der letzten Phase zeigen, ob eine Wirkung über Monate hält und was sie kostet an Nebenwirkungen.
- Wie lange lief die Studie? Gewichtsverlauf über 12 Wochen sagt wenig. Die belegten Werte stammen aus Studien über 68 und 72 Wochen.
- Womit wurde verglichen? Ein Vergleich gegen Placebo beantwortet eine andere Frage als ein Vergleich gegen eine bereits zugelassene Therapie.
- Gibt es eine Schweizer Zulassung? Ohne sie ist die Meldung für deine Behandlung heute ohne Folgen.
Wer diese vier Punkte prüft, merkt schnell, dass zwischen einer beeindruckenden Zahl und einer verfügbaren Behandlung mehr liegt als Ungeduld.
Grenzen und Alternativen
Eine medikamentöse Therapie ist nicht für jeden der richtige Weg, und ein seriöses Erstgespräch endet nicht zwangsläufig mit einem Rezept. Bei einem BMI deutlich über 40 oder ausgeprägten Folgeerkrankungen kann ein chirurgischer Eingriff wirksamer sein. Bei einer Essstörung steht die Psychotherapie an erster Stelle. Bei leichtem Übergewicht ohne Begleiterkrankung führt eine strukturierte Ernährungs- und Bewegungstherapie oft zum Ziel, ganz ohne Medikament. Und wenn Essen vor allem der Regulation von Stimmung dient, ist das ein eigener Ansatzpunkt, den die Verbindung zwischen Essen und Stimmung aufgreift.
Key Takeaways
- Verfügbar und belegt sind heute 10 bis 15 Prozent Gewichtsverlust unter dem GLP-1-Agonisten und 20 bis 22 Prozent unter dem dualen Wirkstoff. Alles darüber hinaus ist Forschungsstand.
- Der Weg in die Schweiz führt über zwei Schritte: Zulassung durch Swissmedic und Aufnahme in die Spezialitätenliste. Eine Zulassung im Ausland ändert daran nichts.
- Beziehe Medikamente ausschliesslich über ein ärztliches Rezept und eine zugelassene Schweizer Apotheke. Die Einfuhr nicht zugelassener Präparate ist nicht zulässig.
- Wenn du heute die Limitationskriterien erfüllst, kostet Warten Behandlungszeit. Lass BMI, Blutdruck, HbA1c und Lipide messen, statt auf die nächste Schlagzeile zu warten.
- Rechne mit maximal 1000 CHF Eigenleistung bei Franchise 300 oder mit 299 CHF pro Monat im Selbstzahlerprogramm.
Ob eine heute verfügbare Therapie für deine Ausgangslage passt, klärst du in einem kostenlosen Erstgespräch, digital und unverbindlich.
Quellen
- Swissmedic
- Spezialitätenliste des BAG
- Bundesamt für Gesundheit
- New England Journal of Medicine
- Weltgesundheitsorganisation
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.




































































































